Panorama von Sindeldorf

Sindeldorf - Ortsteil der Gemeinde Schöntal

Vereine und Freizeit

Orts- und Seniorentreff

Seniorenkreis: Wie alles begann

aus dem Vortrag von Hedwig Stahl
anlässlich dem 15jährigen Bestehen, 27.08.97

Seniorengruppe Sindeldorf ab August 1982

Der Anstoß für die monatlichen Seniorentreffen war eigentlich meine Schwiegermutter. Sie war mit ihren 80 Jahren oft allein, die Jungen gingen zur Arbeit und zu der Zeit wars eigentlich fast unmöglich am helllichten Werktag rumzusitzen und Kaffee zu trinken. Allerdings konnte sie dann wegen ihrer Krankheit die Seniorennachmittage nicht mehr besuchen.
Die Seniorennachmittage von der Gemeinde mit Gesangverein und großem Programm waren damals nur alle 2 Jahre. Ich fragte deshalb den damaligen Ortsvorsteher Erwin Deißler, was er von dem Gedanken hält, wenn wir monatlich einen Senioren-Nachmittag abhalten. Er war sofort begeistert und hat mich voll unterstützt.
Nun gings noch um einen Raum. Es kam eigentlich nur das leerstehende Pfarrhaus in Frage. Hier wurde gerade ein Raum renoviert für die Sitzungen des Kirchengemeinderates. Allerdings war dieser ein Drittel kleiner als der heutige Raum, doch für den Anfang groß genug. Nach Rücksprache mit dem damaligen 2. Vorsitzenden des Kirchengemeinderats Hugo Hofmann, der die Sache ebenfalls für gut hielt, war auch dieser Punkt abgehakt. Hugo Hofmann konnte diese Nachmittage jedoch nicht mehr besuchen, da er nach seiner schweren Krankheit am 16.02.1982 verstarb.
Im August 1982 war dann das erste Treffen. Von Dezember 1986 bis Februar 1987 wurde im Pfarrhaus umgebaut, der Raum wurde vergrößert und eine Küche eingebaut. In dieser Zeit fiel das Treffen einmal aus. Im Dezember war der große Seniorennachmittag im Gasthaus und im Februar waren wir zu Gast in Niedernhall. Am 25.03.87 konnten wir dann im vergrößerten Raum mit schöner Küche feiern. Vorher musste der Kaffee zu Hause gemacht werden und alles zu Hause vorgerichtet werden. Es gab auch keine Heizung außer dem Kachelofen. Er musste frühzeitig angeheizt und das Holz mitgebracht werden. Den Personen am Fenster war es oft zu kalt und die am Ofen schwitzten.
Zuerst brachte ich mein eigenes Kaffeegeschirr mit, doch dann brachte jeder sein Kaffeegedeck mit, das wir in der Küche aufbewahrten. Das Geschirr war ja verschieden und es war immer eine große Arbeit zu jedem Kuchenteller die richtige Tasse und Untertasse zu stellen und womöglich auch noch an diesen Platz wo sich später der Eigentümer setzen möchte.
Mit dem Einzug in den neuen Raum konnten wir auch ein einheitliches Kaffeeservice benutzen, das auf unseren Wunsch hin von der Kirchengemeinde angeschafft wurde. Die Heizung musste nur noch eingeschaltet werden und es wurde überall gleichmäßig warm. In der Küche hatten wir heißes Wasser um das Geschirr zu spülen, das vorher immer mit nach Hause genommen werden musste. Das war 1987. Die Teilnehmerzahl stieg in den folgenden Jahren über 30. Da war die Schall- und Platzgrenze im Sitzungssaal erreicht. In zwei Reihen saßen wir dicht auf dicht. Jeder wollte reden (zu dem waren wir ja beisammen) aber dann war es so laut, dass jeder noch lauter reden musste und das war dann doch zu viel.
Ich stellte den Antrag, dass wir in die Gemeindehalle umsiedeln dürfen.
Im Januar 1992 war es dann soweit. Alle fühlten wir uns sehr gut im großen Raum. Das Bedienen musste nicht mehr über viele Köpfe hinweg geschehen, wir konnten, bzw. wir können immer noch mit dem Servierwagen herumfahren, auftischen und abräumen. In der Küche steht uns eine Spülmaschine und ein Backofen zur Verfügung, in dem wir beim letzten Mal unseren Fleischkäse für die Holzfällersteaks gebacken haben. Wir haben Platz für Dia- und Filmvorführungen, was im Sitzungssaal immer sehr beschwerlich war. In den ersten Monaten habe ich keine Aufschriebe gemacht, nur die Namen der Anwesenden vermerkt. Die von der ersten Stunde möchte ich hier namentlich erwähnen: Es waren Anna Deißler, Elisabeth Deißler, Margarete Fernikorn, Ida Haak, Ida Hofmann, Karline Kuhbach, Ida Mütsch, Klara Rau, Marie Schulz, Pauline Ulrich, Katharina Walter, Berta Wild, Anna Wittig, Rosa Reuther. Davon leben heute noch 4 Frauen. Ab Dezember 1982 kamen folgende Männer dazu: Georg Bertran, Josef Fernikorn, Franz Grübel, Josef Rezbach, Ludwig Göker, Alfred Reuther, Ludwig Sauer.
Zuerst hat mir Rita Deißler dann Maria Belz geholfen die Leute zu betreuen. Seit 1985 ist Ellen Asum dabei. Wir haben uns immer bemüht, den Gästen einen angenehmen Nachmittag zu bieten.
Luzia Keppler, die seit 1991 zu den Seniorennachmittagen kommt, hat uns anschließend immer beim Spülen und Aufräumen geholfen. Ich möchte Dir liebe Luzia dafür heute nochmals herzlich danken.
Seit November 1996 sind wir ein großes Team, das wir bei der großen Zahl der Senioren auch brauchen. Neu dabei sind Irmgard Asum, Martina Schäfer und Gabi Sorg.
Ich habe ein bisschen in den alten Aufzeichnungen gelesen und habe mich immer wieder gewundert, was wir doch schon alles miteinander erlebt haben. Vieles ist längst vergessen. Deshalb möchte ich, wie es bei Jubiläen üblich ist, ein bisschen an Vergangenes erinnern.
Zum Beispiel:
Unsere Ausflüge zweimal jedes Jahr waren bei gutem und schlechtem Wetter meistens schön. Diese vielen Ziele, Cafes und Gaststätten im Umkreis von 20 bis 100 km aufzuzählen wären heute zu viel.
Da waren die Besuche bei anderen Seniorengruppen in Niedernhall, Eglosheim, Stuttgart-Rot. Oder die Fahrt mit Bürgermeister Hehn durch alle Ortschaften der Großgemeinde Schöntal. Da sind die vielen Dia-Vorträge, die wir schon gesehen haben: z.B. von Pater Joseph über Indien, Oskar Rau über Israel von Herrn und Frau Mair über Skandinavien, Schwester Regine aus Schöntal über Franz von Assisi, von Bürgermeister Hehn über seine Reise in den Iran, und beim letzten Seniorennachmittag die interessanten Dias von Förster Schmitt von seiner Arbeit im Regenwald. Nicht zu vergessen, die verschiedensten Vorträge von Referenten, die ich hier nicht alle aufzählen will.
Wir waren schon in der Besenwirtschaft, im Biergarten, wir haben gegrillt am Eichholz und in Altkrautheim in der Hütte hoch über dem Jagsttal. Dort haben wir gesungen und Christoph hat mit seinem Akkordeon gespielt. Wir sind schon gewandert nach Marlach, Diebach und Schleierhof und natürlich auch eingekehrt.
Viele Jahre haben wir im Sommer in unserem Garten Kaffee getrunken und gegrillt. Einmal kam zufällig Bürgermeister Hehn mit seiner Frau dazu, die gerade eine Fahrradtour machten.
Auf keinen Fall möchte ich die vielen kleinen und jungen Musikanten vergessen, die in vielen Jahren jeden Monat gekommen sind um den Geburtstagskindern ein musikalisches Ständchen zu bringen.
Am Anfang waren es Flötenkinder, mit denen ich selbst vorher geübt habe oder Tanja Baier, die damals Älteste. Dann kam Christoph mit dem Keyboard, manchmal mit Matthias Hofmann zusammen. Als die Jugendmusikkapelle bestand, kamen einige Kinder, die gerade Zeit hatten, um mit wenigen Instrumenten uns zu erfreuen. Auch Maria Deißler mit ihren Kindern hat uns einmal aufgespielt. Anja Asum hat lange dafür gesorgt, dass beim Seniorennachmittag eine Gruppe Musikanten da waren. Oft haben sie aus Eigeninitiative noch dazwischen Gedichte vorgelesen. Die Namen der vielen Kinder, die hier schon gespielt haben, habe ich leider nicht aufgeschrieben. Vielleicht wisst Ihr noch ihre Namen, denn es waren ja eure Enkelkinder.
In den letzten Jahren hat das nicht mehr geklappt, denn die Kinder sind so vielseitig beschäftigt. Deshalb singen wir das Ständchen selbst.
In der gleichen Zeit wie die Seniorennachmittage habe ich auch den Frauenkreis ins Leben gerufen. Es waren immer zwischen 15 und 20 Frauen anwesend. Auch diese Namen der ersten Stunde möchte ich nochmals in Erinnerung rufen: Maria Belz, Rita Deißler, Imelda Frischknecht, Emilie Grübel, Emma Göker, Helene Göker, Marie Humm, Klara Humm, Liesel Kemmer, Luise Keppler, Lina Kuhbach, Anna Mütsch, Cili Mütsch, Erna Rau, Hildegard Humm, Marliese Rezbach, Maria Rohn, Elisabeth Schellmann. Ich möchte dies deshalb in Erinnerung rufen, weil diese Frauen zum größten Teil heute zu den Senioren gehören, und der Frauenkreis immer sehr aktiv war. So haben wir Anfang 1983 die Polster für die Sitz- und Kniebänke in der Kirche gemacht. Ich habe in irgendeinem Kaufhaus den Stoff dafür gesehen und ich weiß heute wie mich der Preis von 5,-- DM pro Meter begeistert hat. Nach der Genehmigung durch den Kirchengemeinderat habe ich den Stoff gekauft. Den Schaumstoff habe ich in einer Fabrik in Boxberg gekauft und schneiden lassen und mit einem von der Mühle Hofmann ausgeliehenen Kleinbus eigenhändig abgeholt.
Aber das Schlimmste kam dann erst. Wir konnten den Stoff bei der Firma Noor hier schneiden und nähen lasse, was wirklich eine große Erleichterung war, aber den Schaumstoff in die engen langen Schläuche zu stecken, war wirklich eine heiden Arbeit. Doch ich denke, diese Arbeit hat sich bis heute gelohnt und der Kirchengemeinde haben wir eine Menge Geld gespart.
Einige Jahre lange haben wir immer auf den 1. Advent Gestecke gebastelt und dann vor der Kirche verkauft. Dieser Brauch wurde auch sehr gerne angenommen. Von diesem Geld haben wir einmal passend zu unseren schönen Krippenfiguren einen holzgeschnitzten Ochsen, einen Esel und ein Lamm gekauft. Auch an Projekte für notleidende Menschen haben wir gespendet. Im Frauenkreis wurden manchmal die Geschenke für die Senioren-Geburtstagskinder gebastelt. Z.B. Kerzen mit Namen und Geburtstagsdatum, oder Rahmen mit Trockengestecke zum Aufhängen. Zu Weihnachten haben einmal strickende Hutzelweibchen gemacht. Wie gesagt, ich habe den Frauenkreis nur erwähnt, weil es wirklich die heutigen Seniorinnen betrifft.
Es gibt sicher noch sehr viel mehr Nennenswertes , das ich übersehen oder vergessen habe zu erwähnen.
Die Seniorennachmittage sollen für alle dasein, die Freude an Geselligkeit haben. Deshalb laden wir auch immer solche ein, die noch nicht 65 oder alleinstehend sind oder Frührentner.
Doch viele denken, dies hier ist ein Altenclub wo man nichts zu suchen hat. Das ist schade. Wir freuen uns auch ganz besonders über diejenigen die kommen, die nicht mehr so fit sind obwohl sie meinen sie fallen den anderen zur Last.
Bei uns ist jeder gut aufgehoben. Wir holen jeden ab, der nicht gut zu Fuß ist. Allerdings sollten wir das wissen, aber dazu gibt es ja Telefon.
Ich denke da wieder an die ersten Jahre, als Ludwig Sauer in seinem hohen Alter fast blind und taub, immer gerne zu uns kam. Nach einem Lichtbildervortrag sagte er einmal: „Jetzt hob i nix ghört und nix gsehe, jetzt soch i was.“ Und er sagte uns dann eines seiner vielen schönen Gedichte auf, die meistens lang und lustig waren.
Oder ich denke an Ludwig Kuhbach, den wir nach seinem Schlaganfall mit dem Rollstuhl ins Pfarrhaus geschafft haben. Er hat sich immer sehr gefreut.
Deshalb bin ich der Meinung, dass jeder der einen Nachbarn hat, der sich nicht getraut zu uns zu kommen, ihn dazu ermuntern sollte.
Wir vom Betreuerteam machen alles ehrenamtlich. Es ist uns wirklich Lohn genug, wenn alle Gäste sich in dieser Runde wohlfühlen. Wir haben auch schon mal daran gedacht, die Altenarbeit weiter auszudehnen, z.B. Krankenbesuche und Geburtstagsbesuche, usw. …, aber alle Frauen vom Team sind berufstätig neben Hausfrau und Mutter.
Doch ich denken bei uns im Dorf ist keiner ganz allein. Es gibt Verwandte und Nachbarn, die alle hilfsbereit sind. Nicht wie in der Stadt, wo man allein und anonym lebt.
Deshalb werden wir auch in Zukunft alles tun, dass alle älteren und einsamen Menschen, und alle die Freude an Gemeinschaft, Harmonie und Lust am Singen haben sich hier in dieser Runde wohl fühlen und gerne jeden Monat einmal hierher kommen.

27.08.97 – Vortrag von Hedwig Stahl
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